(26) Darum fürchtet euch nicht vor ihnen! Denn nichts ist verhüllt, was nicht enthüllt wird, und nichts ist verborgen, was nicht bekannt wird. (27) Was ich euch im Dunkeln sage, davon redet im Licht, und was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet auf den Dächern! (28) Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchtet euch eher vor dem, der Seele und Leib in der Hölle verderben kann! (29) Verkauft man nicht zwei Spatzen für einen Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde ohne den Willen eures Vaters. (30) Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. (31) Fürchtet euch also nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen. (32) Jeder, der sich vor den Menschen zu mir bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem Vater im Himmel bekennen. (33) Wer mich aber vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich vor meinem Vater im Himmel verleugnen.
Matthäus 10,26−33
Meditative Gedanken
Klara Weißbescheid ist die „Zeitung“ vom Neuerweg, höre ich immer wieder mal in der Nachbarschaft. Willst du die letzten Neuigkeiten aus der Siedlung wissen, brauchst du sie nur anzusprechen. Sie ist immer auf dem neuesten Stand.
„Was man euch ins Ohr flüstert, das verkündet von den Dächern.“
Na, da macht Klara Weißbescheid doch alles richtig, oder? Sie erzählt bereitwillig, plaudert alles aus, behält nichts für sich. Wirklich? Darf ich weitererzählen, wovon mir jemand im Vertrauen berichtet hat? Muss ich jede Neuigkeit weiterverbreiten? Sicher nicht! Worum geht es Jesus?
Jesus ermutigt zu furchtlosem und freimütigem Bekenntnis, nicht zu Tratsch und Klatsch. Er beschwört seine Zuhörer: „Fürchtet euch nicht! Habt keine Angst!“ Wenn Herr Meyer mit Frau Müller ein Techtelmechtel beginnt, ist das eine oft begehrte Neuigkeit. Wenn sich aber jemand zu Gott und seinen Geboten oder zu seiner Kirche bekennt, dann kann es geschehen, dass er belächelt wird oder lästig fällt. Zum Glauben zu stehen, erfordert oft genug Mut, elbst bei uns in Deutschland, wo es nicht um Leib und Leben geht.
Jesus fordert mich auf: Sprich freimütig davon, was dir Gott bedeutet. Tritt für deine Überzeugungen ein. Du kannst sicher sein: Gott ist dir nah, er weiß, wie es um dich steht. Lass dich nicht dazu verführen, den Mund zu halten oder zu kuschen, wenn du spürst: Hier kommt es auf mich an. Hier muss ich meine Meinung sagen. Ich muss jemanden schützen, zu jemandem stehen. Jetzt muss ich verantwortlich handeln. Ich darf keinen Hehl aus meiner Überzeugung und meinem Glauben machen. Du würdest dein Leben verfehlen. Du könntest deine Selbstachtung verlieren. Du wärst nicht mehr du selber.
Dass Gottes Wahrheit offenbar wird, hat auch mit mir zu tun. Wer weiß, vielleicht bin ich die einzige Bibel, die manche Leute lesen. Das zumindest hat mir meine Cousine vor langen Jahren ins Poesiealbum geschrieben: „Gib acht, wie du lebst. Du bist vielleicht die einzige Bibel, die manche Leute lesen.“ Fasziniert hat mich dieser Satz von Anfang an, aber verstehen (und leben) kann ich ihn nur allmählich.
Brigitte Schmitz, Gemeindereferentin Bistum Aachen
Fürbitten
Nichts geschieht ohne den Willen des himmlischen Vaters. Mit dieser Zusage stärkt Jesus seine Jüngerinnen und Jünger. In diesem Glauben und Vertrauen bringen auch wir unsere Bitten vor Gott:
- Wir beten für die Menschen, die Zivilcourage zeigen. Für alle, die widersprechen, wenn die Rechte ihrer Mitmenschen bedroht werden. Für alle, die Angst vor Angriffen und vor Verleumdung haben.
- Beten wir für die Schwarzen Mitbürgerinnen und Mitbürger und für alle, die in ihrem Alltag rassistisch beleidigt werden. Die nicht mehr gefragt werden wollen, woher sie – eigentlich – kommen. Wir beten auch für die Menschen, die in ihnen immer noch Fremde sehen.
- Wir denken an die Frauen, Männer und Jugendlichen, die mit der Corona-App und technischen Maßnahmen sich und andere gegen Corona schützen. Wir beten für alle, die keinen Zugang zu solchen digitalen Lösungen haben und auch deswegen auf Unterstützung angewiesen sind.
- Wir beten für die Menschen, die Corona und seine Folgen in die Armut treiben. Für Männer und Frauen, die ihre Arbeit verloren haben, für Unternehmerinnen und Unternehmer, die ihren Betrieb aufgeben mussten; und für alle, die an ihrer schwierigen Lage zu verzweifeln drohen.
- Wir beten für die Bürgerinnen und Bürger der französischen Stadt Dijon, hinter denen eine Woche voller Unruhen und Gewalt liegt. Für die Sicherheitskräfte, die Politiker und alle im ganzen Land, die sich für eine Beruhigung der Lage eingesetzt haben.
- Wir beten für die Friedensforscherinnen und Friedensforscher.
Für alle, die die Ursachen von Konflikten und Kriegen besser zu verstehen helfen, damit Friede werden kann. Beten wir für die Politikerinnen und Politiker, die sich von ihnen beraten lassen.
Nichts bereite uns Furcht, nichts bereite uns Sorge. Denn du, Gott, allein genügst. Dir sei Lob und Preis in Ewigkeit.
Amen.
Marion Bexten, Saarbrücken


